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Rolf Diederichs im Interview mit ARD Magazin Brisant
"Wie sicher sind Schulbusse"

Kommentar
Natürlich ist ein 3 Minuten Beitrag zu kurz um das Thema Schulbusse wirklich mal auf den Punkt zu bringen. Trotzdem war der Beitrag recht gut, obwohl einiges wichtige dabei nicht heraus kam. Ich habe daher unten meine etwas längere Meinung niedergeschrieben. - Rolf Diederichs

ARD Magazin Brisant
9. Januar 2004 17:15

Schulbusse unter die Lupe genommen.
Jeder fünfte Schulbus ist im miserablen Zustand.



Wortgetreue Niederschrift des 3 Minuten Beitrags (rd)
(Ansage: Griseldis Wenner) Es vergeht kaum eine Woche in der wir nicht über Busunfälle berichten müssen, immer öfter handelt es sich dabei auch um Schulbusse. So ereichte uns heute eine Meldung aus der Schweiz, hier waren im Kanton Wallis, sechs Kinder verletzt worden. Der Schulbus war bei schneebedeckter Fahrbahn ins rutschen geraten und einen Abhang hinuntergerutscht. Und erst gestern waren in Dortmund 10 Kinder im Alter zwischen 6 und 11 Jahren verletzt worden, als ein PKW auf eisglatter Straße in einen entgegenkommenden Schulbus prallte. Bei der Aufnahme des Unfallgeschehens in Dortmund, war übrigens festgestellt worden, dass der Kleinbus nur 9 Sitze hatte und nicht als Schulbus gekennzeichnet war. Zudem konnte die Fahrerin keine gültigen Papiere für den Schulertransport nachweisen. Gründe genug um die Sicherheit von Schulbussen einmal unter die Lupe zu nehmen.

(Sprecher: Herbert Spies) Schulbusse sind oft genauso schlecht wie ihr Ruf. Immer wieder kommt es auf dem Weg zum Unterricht zu Unfällen wie hier in Wesel am Niederrhein. 14 Kinder sind dabei verletzt worden. Immer mehr Eltern sind in Sorge. Laut Polizei ist jeder fünfte Schulbus im miserablen Zustand. Der ADAC nennt Gründe:

(Jacqueline Grünewald vom ADAC) Die Schulbusse werden eingesetzt von Städten und Gemeinden und bekanntlich sind da die Kassen leer. Insofern wird da sehr häufig zum billigsten Anbieter gegriffene, der nicht unbedingt den besten Bus oder den besten Fahrer hat.

(Herbert Spies) Der Bundesverband der Unfallkassen hat herausgefunden: Schulbusse sind rund 10.000 mal im Jahr in Unglücke verwickelt, nicht alle so schwerwiegend wie hier in Ostwestfalen. Eltern und Verkehrsexperten kritisieren oft: "es sind Schulbusse nicht ausreichend gekennzeichnet und auch die Ausstattung ist häufig mangelhaft".

(Jacqueline Grünewald) Meistens sind die Schulbusse nicht auf die belange der Kinder abgestimmt, d.h. es gibt keine Kindersitze, es gibt keine Gurte, Schlaufen und Halterungssysteme sind viel zu hoch angebracht, und das wesentliche dabei, dass es nicht für jedes Kind einen Sitzplatz gibt.

(Herbert Spies) Rolf Diederichs selbst Vater von zwei Kindern ist entsetzt. Er hat die bundesweite Elterninitiative sicher Schülerbeförderung gegründet. Auf ihrer Internetseite haben die Mütter und Väter selbst gemachte Fotos von Schulbuspannen veröffentlicht. Besonders schlimm, so der Vater, seien die Zustände auf dem Lande, wo offenbar uralte Reisebusse eingesetzt werden.

(Rolf Diederichs) Da berichten unsere Kinder, dass der Fahrer sogar Bierkästen hinter seinem Sitz hat, und sie haben Angst so wie der manchmal in den Kurven rum fährt. Da fahren sie 30 km bis zur Regionalen Schule, drei mal bergauf und runter, und da machen wir uns als Eltern sorgen.

(Herbert Spies) Es ist erwiesen, der Aufenthalt im Schulbus ist am gefährlichsten. Es ist meist eng, viel Kinder stehen ungesicherte und sind oft unaufmerksam. Bei einer Vollbremsung kommt es schnell zu Verletzungen. Risikofaktor Nummer 2 der oft mangelhafte technische Zustand der Schulbusse.

U.a. wurden Reifen der Region gezeigt.

gravierende Reifenbeschädigung

schlechte Sommer-Reifen im Winter
(Rolf Diederichs) Da sind wir auf die Straße und haben die Busse und die Reifen und die maroden Zustände fotografiert(Bilder). Bei den Reifen waren wir erschrocken, innerhalb von wenigen Wochen hatten wir etliche Busse mit bis zu blanken Reifen und stark abgefahrenen Reifen.

(Herbert Spies) Gerade im Winter sei das lebensgefährlich meinen die Eltern. Sie fordern eine bessere technische Wartung der Fahrzeuge und mehr spontane Kontrollen der Polizei, nur so sei die Sicherheit von Schulkindern in Bussen zu verbessern. (rd)

Bericht: Herber Spies
Die Erstsendung lief in ARD am 9.1.2004 um 17.15 Uhr und zu anderen Sendezeiten in MDR, NDR, SWR, HR, RBB.


Ausführliche Aussage von Rolf Diederichs

Besonders im Jahr wo viele Politiker mit dem Finger auf die Reisebusse zeigen, versuchte die Elterninitiative deutlich zu machen, dass im Schulbusverkehr noch viel mehr Handlungsbedarf besteht. Besonders hier fahren Busse von Sub-Unternehmern im ländlichen Bereich, quasi versteckt, mit Fahrzeugen, die schon längst keinem Fahrgast für eine Kaffeefahrt mehr zumutbar sind.

Gesetze sind schwammig oder nur Kann-Vorschriften

Beispielweise der vom Verkehrsministerium herausgegebene Anforderungskatalog für Busse die überwiegend zur Schülerbeförderung eingesetzt werden, ist nur eine Kann-Vorschrift. Kreisverwaltung wenden diesen so gut wie nie an - aus Kostengründen wurde vom Bildungsministerium RLP uns schriftlich mitgeteilt. Insbesondere da heute Schüler überwiegend im ÖPNV befördert werden, ist solch ein gut gemeinter Anforderungskatalog praktisch hinfällig geworden.

Bleibt praktisch nur noch die BoKraft (Verordnung für Fahrzeuge und Unternehmen in der Personenbeförderung) als gesetzliche Grundlage. Aber auch hier geht es absolut schwammig zu. Obwohl laut Grundregel §2 "besondere Verantwortung und Sicherheit in der Beförderung" gesprochen wird, setzt die Verordnung es explizit nicht um. In § 17 heißt es dann lediglich "die Fahrzeuge müssen mindestens 2 Achsen und 4 Räder haben".
Den Kopf kann man nur noch schütteln wenn man im § 18 liest, dass die Winterreifen in den Kofferraum und nicht auf die Räder gehören.

    § 18: Beim Einsatz der Fahrzeuge ist die Ausrüstung den jeweiligen Straßen-und Witterungsverhältnissen anzupassen. Wenn es die Umstände angezeigt erscheinen lassen, sind Winterreifen, Schneeketten, Spaten und Hacke sowie Abschleppseil oder -stange mitzuführen.
Auch wenn es eine unsinnige Vorschrift ist, es verstoßen so gut wie alle Busse dagegen, da z.B. Niederflurbusse keinen Stauraum für Winterreifen haben.

Besondere Mängel im Schülerverkehr im ländlichen Bereich.
Insbesondere wenn mit Sub-Unternehmen, praktisch im Dunklen, fern der Öffentlichkeit, gefahren wird.
Alte Reisebusse und ausrangierte Linienbusse.

Fahrzeugtechnik:
Marode, Mangelhafte bis zu blanken Reifen, Verletzungsgefährlich im Innenbereich. Im Winter sogar mit schlechten Sommerreifen in den Höhenlagen der Mittelgebirge unterwegs. Leider wird hier mit gleichem Maß wie beim PKW gemessen, alles was mehr als 1,6 mm Profil hat darf gefahren werden. Die Prüfstellen und aber auch die Polizei sind allzu häufig Freund & Helfer der Busunternehmen. Anstatt mal hart durchzugreifen wird häufig alles als Kavaliersdelikt und Bagatellmängel heruntergespielt.

Fahrer:
Jeder mit entsprechenden Führerschein und Personenbeförderungsschein kann eingesetzt werden. Dann stehen alte Busse auf Hinterhöfen von Landwirten, Rentnern und Unterkünften von Gastarbeitern rum. Fahrer hatten schon Bierkasten hinter dem Sitz stehen, von Polizei öfters mit vielen Promillen geschnappt. Kinder berichten von extrem gefährlichen Fahrweisen.

Qualitätsmanagement und Beschwerdesystem:
Eltern werden von einem zum anderen geschickt, alles wird in der Regel abgestritten, wenn man wie die Elterninitiative mal den Mund aufmacht, bringt der Busunternehmen uns vor Gericht und behauptet alles wäre gelogen gewesen. In Kreis Ahrweiler haben sich zwei Busfahrer schon auf die Seite der Eltern geschlagen und packen über die Mängel des Unternehmens aus. Die Fahrer können es nicht mehr verantworten unter solchen Zustände zu fahren.

Politik:
Da stellt sich auch die Politik wie Landrat vor die Busse, so wörtlich, lässt sich in der Zeitung fotografieren mit Sprüchen "Schulbusse besser als Ihr Ruf". Auch Schulleiter versuchen alles runter zu spielen und streiten selbst klare Fakten ab.