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| Verkehrszählung: Das Leben von 20 Schulkindern ist noch nicht hoch genug Von Rolf Diederichs, 19.4.2004 Siehe auch 21.6.2004: Eine Filmaufnahme in Bassenheim zeigt die Unfallgefährdung
Etwa die Hälfte der über 3.000 Bassenheimer siedelte sich in einem Einfamilienhauswohngebiet an einem Hang südlich der B 258 an. Den Häusern nach zu urteilen fließen hier sicherlich reichlich Steuergelder in die Kasse der Kommune. Ein weiteres Neubaugebiet lässt in naher Zukunft noch mehr Familien vermuten. Ein Teil der hier wohnenden Schulkinder besuchen Schulen in Koblenz. Die morgendliche Abfahrt stellt für die Kinder kein Problem dar, da die Haltestelle für den RMV-Bus auf der Straßenseite ihres Wohngebietes liegt, jedoch ist die Ankunft für mindestens 20 Schulkinder an der gegenüberliegenden Haltestelle gefährlich. Die Haltestelle liegt dort ca. 80 Meter von beiden Kurven beider Fahrtrichtungen entfernt. Ebenso ungünstig ist auch die unmittelbare Nähe zum Ortseingang in einer ca. 8% Gefällestrecke aus Koblenz kommend. Aber auch aus dem Ort heraus läuft der Verkehr in der Regel mit überhöhter Geschwindigkeit, da die Straße einer Ortsumgehung ähnlich ausgeführt ist. Diese Haltestelle scheint bei der Dorfentwicklung offensichtlich zu kurz gekommen zu sein. Wir treffen Jan H. (13) der täglich zusammen mit ca. 20 weiteren Schülern und Schülerinnen in einem Bus des Linienverkehrs hier ankommt. Jan: "Man muss schon verdammt gut aufpassen wenn man hier sicher rüber kommen will. Manchmal hält ein PKW-Fahrer an um uns rüber zu lassen, aber ich habe auch schon erlebt, wie manche erst richtig Gas geben, wenn wir schon Mitten auf der Fahrbahn stehen. Die LKW-Fahrer sind die Schlimmsten, die fahren sehr schnell und halten grundsätzlich nicht an. Wir gehen in der Regel nachdem der Bus losgefahren ist in Zweiergruppen rüber, die eine im vorderen und die andere im hinteren Bereich der Busbucht." Auf die Frage ob denn immer alle warten bis der Bus weggefahren ist, antwortet Jan: "Na ja, es gibt auch immer ein paar Ungeduldige die laufen schon rüber wenn der Bus noch da steht". Bevor er schnell zu dem nach Koblenz fahrenden RMV Bus eilte, "Ich wünschte mir sehr, dass hier mal etwas getan wird, damit wir in Zukunft sicherer die Straße überqueren können." Auch die Eltern sind besorgt darüber unter welchen Umständen ihre Kinder die stark befahrene Straße überqueren müssen. Ein Vater: "Gut ist noch, dass die in großen Trauben deutlich auffallen, ein einzelnes Kind wäre da schon schlechter dran". Eine in der Nähe wohnende Mutter von drei noch nicht schulpflichtigen Kindern: " Es ist schon beunruhigend wenn ich da manchmal das Verhalten einzelner Kinder beobachte. Zum Glück ist noch nichts passiert. Aber wie so häufig wird man wohl erst was tun wenn es zu spät ist." Herr Brunne von der VG Weißenthurm: "Bei dieser Bundesstraße ist der Baulastenträger, z.B. eines Fußgängerüberwegs, der Landesbetrieb Straßen und Verkehr (LSV). Für die Beschilderung sind wir zuständig, aber wir sind geraten den LSV zu hören, da dieser das Zünglein an der Waage ist und wir sonst Gefahr laufen im nachhinein wieder alles abzureißen. Wenn der Bürgermeister eine Maßnahme möchte, dann sollte er einen Antrag stellen auf diesen hin dann ein Ortstermin erfolgen wird. Seit dem ich jetzt 11 Jahre im Amt bin, kann ich mich nicht an einen Ortstermin an dieser Haltestelle erinnern" Theobald Groß, Bürgermeister von Bassenheim, beschreibt die Situation mit resignierten Tonfall: "Wir hatten schon vor Jahren einen Fußgängerüberweg (FGÜ) diskutiert. Damals teilte uns der LSV mit, man hätte die nötigen Voraussetzungen bei der Zählung der Fußgänger oder KFZ pro Stunde, nicht erfüllt. Da hier 100 km/h gefahren werden, sind wir uns der Gefahr bewusst und werden daher in Kürze mit einer Radaranlage die Stelle überwachen. Nennen Sie mir andere Lösungen". In den Richtlinien für FGÜs steht im Abs 2.3.3: "Außerhalb des für FGÜ möglichen/empfohlenen Einsatzbereichs (Zählergebnisse) können FGÜ in begründeten Ausnahmefällen angeordnet werden". Leider werden solche Kann-Vorschriften in der Regel nie zum Vorteil der Sicherheit von Schulkindern angewendet. Aber auch ohne einen FGÜ gibt es Möglichkeiten um die Situation zumindest etwas zu entschärfen, z.B.: Warnschilder Achtung-Kinder, Piktogramme auf dem Asphalt, Tempo 30, Bus schaltet die Warnblinkanlage an. Aber möglicherweise sind noch andere Lösungen hier dringend erforderlich, z.B.: ein Busplatz oder eine Busspur auf der gegenüberliegenden Seite, ferner ob der Bus nicht in einer Schleife in das Wohngebiet reinfahren könnte, wovon einige Gedanken zur Verkehrsraumplanung jetzt wahrscheinlich zu spät kommen. Zu beachten ist auch die Nutzung des Busses durch Kinder bzw. Jugendliche und andere Fahrgäste bei Ankunftszeiten Abends im Dunkeln oder im Winter schon in den Nachmittagstunden. Eine deutliche Beleuchtung quer über der Straße ist in jedem Falle ratsam. Die WHO (World Health Organization) veröffentlichte noch vor wenigen Wochen einen Bericht zur Lage der Verkehrsopfer weltweit, u.a. mit den Forderungen: Tempo 30 innerhalb Ortschaften, bessere Erkennbarkeit der Verkehrsteilnehmer und der ÖPNV ist nur dann auch sicher, wenn auch der Zugang dorthin sicher gestaltet wird. Mit anderen Worten, man darf sich nicht mit Statistiken über den "Sicheren Bus" rühmen ohne dabei die Zahlen der Opfer auf den Weg dorthin, als Fußgänger zur Haltestelle, mit einzubeziehen. Wir müssen jetzt nicht in den Aberglauben verfallen dies ginge nur Entwicklungsländer was an, im Gegenteil, Deutschland ist das Entwicklungsland: Das Risiko, bei einem Verkehrsunfall verletzt zu werden, liegt in Deutschland viermal höher als in Dänemark oder in Finnland. Selbst in Frankreich erleiden bezogen auf die Kilometerleistung dreimal weniger Menschen Verletzungen als bei uns. Deutschland hält damit einen traurigen Negativrekord in Europa. Berichtet der VCD in "Vision Zero - Null Verkehrstote" Eines ist der Elterninitiative "Sichere Schülerbeförderung" in Bassenheim, und nicht nur dort, klar geworden: "Es tickt eine Zeitbombe. Das hier etwas getan werden muss sollte jedem vernünftigen Menschen einleuchten. Beamte und Politiker sind gefordert, anstatt nach Kompetenzgerangel in Untätigkeit zu verfallen, stattdessen das eigentliche Ziel nicht zu verlieren: Die Sicherheit unserer Kinder. Und dies nicht erst nachdem etwas passiert ist. Über die B 258: Für weitere Informationen: Eine Filmaufnahme in Bassenheim zeigt die UnfallgefährdungDer Bürgermeister hofft nun, aber leider alternativlos, auf einen Fußgängerüberweg Rolf Diederichs, 21.6.2004
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