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Bus-Schule für Public Relations?
RMV lenkt von den eigentlichen Problemen ab

von Rolf Diederichs, 30.11.2004

Auf dem Wunschzettel
Rollenspiele
Trockenübungen
So nicht
Theoretischer Teil
Sitzplatzgarantie ?!
Halt immer vorhanden ?
Selten so viel Platz
Selten so viel Platz
Mit Fehlern (über)leben
Verkehrsraumplaung muss im Szenario auch Kinder ausreichend berücksichtigen. Kinder werden trotz einmailger Bus-Schule nie zu kleinen Erwachsenen!
Ein Artikel der Rhein-Zeitung zitiert die vollkommen überzogenen Schuldzuweisungen des RMV Geschäftsführers Rolf Schüler "Für die Hauptunfallursachen seien die Schüler selbst verantwortlich." Medienwirksame Verbreitung solcher unbedachten Aussagen bezeichnet die Initiative als "Politik auf Kosten der Sicherheit der Kinder". Es geht um die wirksame Bekämpfung anderer bedeutender Unfallursachen und nicht um eine übersteigerte Forcierung von Bus-Schule als Allheilmittel.

Der Artikel über eine neue Bus-Schule in der RZ vom 9.7.04 löste bei Eltern eine Diskussion über den als unseriös bezeichneten Artikel aus. Stein des Anstoßes war eine vollkommen überzogene Kritik, ja sogar Beschuldigung der Kinder, durch Äußerungen des RMV Geschäftsführer Rolf Schüler gegenüber der Rheinzeitung.

Schüler sagte in dem Artikel sinngemäß: "Für die Hauptunfallursachen seien die Schüler selbst verantwortlich." Diese Art der medienwirksamen Verbreitung, ohne Nennung anderer wesentlicherer Unfallursachen, hält die Initiative den Kindern gegenüber für nicht fair. Solche unbedachten Aussage seien sogar gefährlich kontraproduktiv und könne nur als "Politik auf Kosten der Sicherheit der Kinder" bezeichnet werden.

Die RZ Redaktion schloss jeglichen Irrtum über die Wiedergabe des gesagten aus. Die RMV Pressestelle reagierte besänftigend mit einer Einladung zum Kennen lernen der Bus-Schule, ohne allerdings auf die Behauptungen näher einzugehen: "Tobende Kinder im Schulbus sind Unfallursache Nummer eins von Linienbussen, ....." und weiter "Der weitaus größte Teil dieser Unfälle steht im direkten Zusammenhang zu sich falsch verhaltenden Schülern." In einem späteren Email-Dialog räumte die RMV jedoch ein, dass die Gründe für Unfälle vielfältig seien. Statistiken würden den Anteil der Unfälle im Bus, ausgelöst durch Rangeleien und Raufereien, als häufige Ursache nennen. Dabei wurden noch nicht die Werte von falschem und unbedarftem Verhalten im Bus betrachtet. Vor allem zum Schutz und zur Sicherheit der Kinder haben wir die Initiative der BusSchule ins Leben gerufen, erklärte Gabriele Rau von PR & Marketing der RMV Rhein-Mosel Verkehrsgesellschaft mbH.

Was ist mit dem Fahrpersonal los?

Grundsätzlich begrüßt auch die Elterninitiative die Bus-Schule, ja schlug es selbst vor, aber nicht in solcher überzogenen Form. Das wesentlichste Unfallursachen woanders liegen, dürfte sicherlich allgemein bekannt sein. Dazu sagte auch der saarländische Kultusminister Jürgen Schreier zur Bus-Schule: "Wichtiger Baustein sei auch die Schulung der Busfahrer". Auch Hartmut Bartels, Leiter der Unfallkasse RLP, bestätigt dies. Die Initiative könnte sich eine durchaus realistische Behauptung vorstellen, ja sogar mit Zahlen belegen, die lautet: "Unfallursache Nummer Eins sind Busfahrer". Auch Manfred Brummer von der Verkehrswacht Mayen-Andernach e.V. bemängelt die fehlende Bereitschaft von Unternehmen ihre Fahrer zum Schulbus-Fahrertraining zu schicken. Aus diesem Grunde musste schon ein Angebot in vergangen Jahren mangels fehlender Anmeldungen abgesagt werden. Was unternimmt der Landkreis als Träger der Schülerbeförderung oder Träger des ÖPNV in dieser Richtung? Landrat Albert Berg-Winters sagte uns nur, er hätte mit der Bus-Schule die rein Sache der UKRLP und RMV ist nichts zu tun.

Keine Zahlen für diese Behauptung

Für mehr Information sorgte Hartmut Bartels mit Offenlegung von Zahlenmaterial und auch einer wesentlich objektiveren Presserklärung auf der Homepage der UKRLP. Von den insgesamt 570 Unfallanzeigen, die der Unfallkasse im Schuljahr 2002/2003 landesweit im Zusammenhang mit dem Bustransport gemeldet wurden, entfielen auf:


Die Unfallanzeigen zum Aufenthalt im Bus wurden in vier Bereiche aufgeteilt:

Hartmut Bartels kommentierte die Zahlen: "Weitere statistische Zahlen liegen der Unfallkasse landesweit zum Bustransport nicht vor. Konkrete Angaben zum Anteil der Unfälle, die durch falsches Verhalten der Schüler verursacht wurden, sind aufgrund der Unfallanzeigen nicht möglich." Trotzdem war die RMV zu einer Gegendarstellung in der RZ nicht bereit.

Was sagt die UKRLP in Andernach zur Busschule?

In einem Gespräch am 15.10.2004 waren sich Sprecher der Initiative Rolf Diederichs und Hartmut Bartels ohne wenn und aber einig, dass die Busschule nur eine von vielen wichtigen Baustein zur Unfallprävention darstellt. Die Aussagen in der Presse, dass Unfallursache Nr. 1 die Kindern selbst sind, kann man so nicht sagen, auch gibt es kein Zahlenmaterial was dies belegen würde. Erfahrungsgemäß ist jedoch ein wesentlicher Anteil des Unfallgeschehens auf das Verhalten der Schüler zurückzuführen. Entscheidend ist aber auch hierbei, ob beispielsweise ein Sturz auf nicht Festhalten, somit dem Fehlverhalten der Schüler zugewiesen wird, oder eine fehlende Haltestange dafür verantwortlich sei. Beispiele dieser Art lassen sich endlos fortführen und belegen auch wie unsicher die Aussagen von statistischen Zahlenmaterial sein kann.

Ein Tropfen auf heißem Stein

Hartmut Bartels gab noch folgende weitere Auskünfte: Die Unterrichtskosten werden von der UKRLP getragen, der Bus mit Fahrpersonal wird von dem Betrieb kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Busschule wird von der Unfallkasse in ganz RLP für ca. 2000 Schulen angeboten und da z.Z nur eine Kapazität von einem Termin pro Woche besteht, in der Regel Donnerstags, sei man bis zu den nächsten Sommerferien ausgebucht. Die UKRLP versucht jetzt zusätzliche Angebotskapazität zu schaffen um noch rückwärts Termine zwischenschieben zu können. Der Engpass läge am Personal für den Unterricht, da z.Z dafür nur die UKRLP Mitarbeiterin und Sportpädagogin Heike Stanowski bereitstehe. Der theoretische Teil der Bus-Schule erfolgt in einem einstündigen Unterricht gefolgt von praktischen Übungen am Bus. Dafür sei schon qualifiziertes pädagogisch geschultes Personal erforderlich, d.h. nicht jeder Verkehrsbetrieb oder Busunternehmer könnte diesen Teil der Schulung übernehmen.

Es ist kein Problem die Bereitschaft der Busunternehmer zu gewinnen, im Gegenteil ein Anruf genügt und der Bus wird gestellt, und dies sind nicht nur RMV Busse. Die Busunternehmer sehen auch ihre eigenen Interessen an solchen Veranstaltungen erfüllt, z.B. weniger Sachbeschädigungen etc. Nicht immer sind die Busse so ideal wie in Fotos abgebildet. Jeder Betrieb kommt halt mit dem was er auch sonst fährt, wahrscheinlich aber nicht unbedingt mit dem schlechtesten Bus.

Und wie im Alltag (über)leben?

Die UK ist sich durchaus der Problematik bewusst, dass der Unterricht nur auf ideale Voraussetzungen in Bezug auf z.B. Busausstattung, Befüllung und Haltestellen aufbaut. Herr Bartels machte deutlich, dass nur dort wo die UKRLP zu berechtigt sei, sie auch handeln kann, und das sei halt so etwas wie die Busschule. An der Ausstattung der Busse oder Haltestellen hat sie keine direkte Einflussnahmen. Auf beonders diese Enflußnahmen und weitere Themen des Gespräches geht ein anderer Artikel in dieser Schulbus.Net Ausgabe noch ein.

Mit schamloser Selbstdarstellung Sand in die Augen der Leser streuen empfinden einige Eltern als "für dumm verkaufen". Dazu gehört auch die auffällige RZ Präsentation des RMV Busses, sogar in Farbe, solche Busse kennen Schüler und Kindergartenkinder im ländlichen Bereichen nicht, denn dort werden Kinder in der Regel unter maroden Bedingungen von Subunternehmer-Bussen befördert. Hier kommt es zu Verletzungen, durch z.B. rutschige Böden, Türstufen, ungenügender Halt, gefährliche Haltestellen, rauslassen auf freier Strecke, risikofreudiger Fahrstil, schlecht ausgebildete Fahrer usw. und welche Statistik analisiert dies?

Die Initiative hält es auch für wichtig zu prüfen, ob nicht Kosten welche direkt und unmittelbar zur Unfallverhütung ausgegeben würden in der Billanz noch mehr bringen würden als die Kosten für Bus-Schule. In diesem Zusammenhang sollte auch von Verletzungen durch unangeschnallte Schüler gesprochen werden. Sollten die Beförderungsstandards sich nur an gesetzliche Vorgaben orientieren? Winterbereifung in besonders kritischen Höhenlagen der Eifel? Sitzplätze und Gurte auf langen Wegstrecken des Schülertourismus?

Erfahrungen mit Bus-Schule im Raum Mayen

Im Raum Mayen machten schon einige Schulen von diesem raren Angebot rechtzeitig gebrauch, so z.B. Hauptschule Hinterburg, Grundschule Kehrig, Müden und auch die Regionale Schule Nachtsheim hat für Februar schon einen Termin gemacht. Wie wir hörten laufen jetzt schon eifrige Vorbereitungen für diese "Prüfung" durch die Unfallkasse. Dort an der engen Schulhofhaltestelle traten schon etliche Probleme auf, Kinder unter dem Bus, Busse im Blindflug rückwärts fahrend. Ist es ein Gerücht, dass es schon Baumaßnahmen geben soll bevor die Experten aus Andernach kommen? Natürlich sollte auch auf der Stecke nach Hause oder beim Überqueren an der Haltestelle Kirchwald-Nitzblick geübt werden. Hier sollte die Schulbus-Schule unbedingt vormachen wie sie dies gefahrlos mit Pädagogik unterrichten kann, hoffen wir die Sportpädagogin Heike Stanowski erfährt dort keinen Arbeitsunfall zu Lasten der UKRLP, aber sie wird sich sicherlich sportlich noch mit einem Sprung in Sicherheit bringen können. Wenn nicht doch noch von Spiegel getroffen, so wie vergangenen Donnerstag an der Fahrbahn-Bushaltestelle die 10-jährige Sarah an den Kopfverletzungen verstarb (Bericht folgt).

Hängt es nur von einer Bestellung des Elternbeirats oder des Schulleiters ab, ob dieses Angebot zur Schule kommt? Erst muss es zu einer Abstimmung durch den EB kommen und Wie wir aus zuverlässigen Kirchwalder Quellen hörten, hätte der Schulleiter sich dagegen ausgesprochen und in einer Abstimmung des EB auch noch einige gefolgsamen Eltern hinter sich gebracht, was nicht wundert, am Ende bekam die Grundschule Kirchwald die Schulbus-Schule entsprechend des "Elternwillen" nun doch nicht. Das wäre doch echte Demokratie würde jetzt jemand aus Mainz vom Landeselternbeirat RLP sagen.

Wer die Artikel und das Forum auf Schulbus.Net aufmerksam liest, besonders auch die noch kommenden, wird an den geschilderten Problemen erkennen, dass diese nicht oder nur kaum mit Bus-Schule zu bewältigen sind.


Weitere Informationen:
Unfallkasse Rheinland-Pfalz: Startschuss für die BusSchule
Meinungsaustausch zwischen Initiative und Unfallkasse Rheinland-Pfalz
Basic-SicherheitsTraining Schulbus
Basic-SicherheitsTraining Schulbus - In der Sendung von N24
Vorwürfe während Bus-Training in Bonn: "Busfahrer bremsen extra"
Den umstrittenen RZ Artikel vom 9.7.2004 hier kaufen
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SchulScouts der Regionalverkehr Köln GmbH

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