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Linienbus brennt: Sieben Verletzte / Türen gehen nicht auf
Generelle Brandgefahr bei Omnibussen- Rückrufaktionen? Technische Änderungen?

Rolf Diederichs, 31.1.2006


Foto: Wiesbadener Kurier, www.main-rheiner.de

In den letzten Wochen und Monaten kam es wiederholt zu Bränden von Linien- oder Schulbussen. Der aktuelle Unfall am Wochenende bestätigt, dass es um den Brandschutz von Bussen nicht gut gestellt ist. Scheiben mussten eingeschlagen werden, da die Türen sich nicht öffneten! Es wäre zu einer Katastrophe gekommen, wenn dies in einem vollbesetzten Schulbus passiert wäre. Vor wenigen Wochen konnten Kinder im nördlichen Rheinland-Pfalz sich im letzten Moment aus dem Schulbus retten. Auch im Raum Koblenz kam es innerhalb der letzten Wochen mindestens bei zwei Subunternehmer der RMV (Rhein-Mosel Verkehrsbetriebe) zu ausgebrannten Bussen.

Im Auftrag der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt), hat die DEKRA Unfallforschung eine Studie zum Brandschutz in Reisebussen durchgeführt. Die Studie, Anfang 2005 veröffentlicht, nannte auch Verbesserungspotenziale für die Verlegung und Befestigung elektrischer Kabel sowie Kraftstoff- und Ölleitungen im Bus ausgearbeitet. Die konstruktive Trennung betriebsbedingt heißer Bauteile zu benachbarten Baugruppen sowie der Einsatz von Dämmstoffen sollte verbessert werden. Besonders wichtig ist aber auch eine Information der Fahrgäste vor Fahrtantritt über die im Bus verwendeten Sicherheitseinrichtungen und deren Funktion. Bislang scheiterte die konsequente Umsetzung an der Vielzahl unterschiedlicher Funktionsprinzipien der Sicherheitseinrichtungen. Hier besteht Handlungsbedarf.

Schulbus.Net hatte schon im Jahre 2003 auf dieses prinzipielle Problem hingewiesen. Wir berichteten über ein Interview von Klaus Ruff vom Technischen Überwachungsdienst Hessen (TÜH) mit dem Darmstädter Echo. Klaus Ruff sieht als Grund dafür die große Hitzeentwicklung im Motor. Einige Fahrzeughersteller sparen am Platz für den Motor um mehr Fahrgäste aufnehmen zu können. Die Teile liegen dicht beieinander. Im Motorraum wird es bei modernen Bussen auch immer heißer. Damit kein Brand im Motorraum entsteht, müssen sich die Hersteller an Sicherheitsbestimmungen halten, sagt Ruff der Zeitung. Leitungen für Kraftstoff und Öl müssen bestimmte Abstände zum Motorblock haben, außerdem dürften Busse nur aus schwer entflammbaren Materialien gebaut werden. Besonders bei schlechter Wartung kann es dann schnell zur Katastrophe kommen.

Ein Fahrzeughersteller soll auf die Sicherheitsmängel schon reagiert haben, aber wie: Bei neuen Lieferungen? Rückrufaktionen? Was machen andere Hersteller, besonders mit Bussen die schon ausgeliefert wurden? Diese werden wie eine tickende Zeitbombe noch Jahrzehnte besonders in der Schülerbeförderung ihren Dienst tun. Wie lange noch setzen Verantwortliche, aber auch die "Gesellschaft", aus Gründen von Sparmaßnahme und Profitdenken weiterhin das Leben von Kindern aufs Spiel? Natürlich betrifft es alle Fahrgäste, aber Schulbusse sind besonders gefährdet, da die Fahrzeuge besonders alt sind, oft schlecht gewartet werden, der Bus voll ist, die Kinder nicht geschult sind bzw. die Notsituation noch nicht beherrschen können.

Nach Polizeiangaben befuhr ein Linienbus am Sonntag den 29.01.2006 die Strecke von Wiesbaden nach Taunusstein-Wehen, als der Busfahrer Rauchentwicklung im hinteren Bereich des Busses feststellte. Er hielt an und versuchte die Türen im Bus zu öffnen, um die etwa zehn Fahrgäste aus dem Bus zu lassen. Dies misslang, weil offenbar die Türhydraulik bereits ausgefallen war, worauf es im Bus zu einer Panik gekommen sein soll.

Einigen Fahrgästen gelang es nun, Fenster des Busses einzuschlagen und durch diese den Bus zu verlassen. Dabei erlitten fünf Personen Schnittverletzungen an den Armen und eine Fußverletzung. Der Busfahrer konnte eine Tür per Hand öffnen und den restlichen Fahrgästen das Verlassen des Busses ermöglichen. Ein Passagier musste von den alarmierten Rettungskräften wegen des Verdachts auf Rauchgasvergiftung zur stationären Behandlung ins Krankenhaus verbracht werden.

Der Brand wurde von Feuerwehren der benachbarten Ortsteile der Stadt Taunusstein gelöscht. Am Bus entstand wirtschaftlicher Totalschaden. Nach bisherigen Erkenntnissen dürfte es sich um einen technischen Defekt als Brandursache handeln. Ein Motorbrand wird nicht ausgeschlossen. Weitere Untersuchungen sollen nun die Brandursache klären. Nur noch Schrottwert hat das Wrack des ORN-Linienbusses, der Sachschaden wird von der Polizei auf mindestens 200 000 Euro geschätzt.

29.01.2006 Vechelde /Salzgitter: Brand eines Linienbusses

Während der Fahrt war die Busfahrerin von Fahrgästen auf den Brand aufmerksam gemacht worden. Diese hielt den Bus sofort an, ließ die Fahrgäste aussteigen und informierte Polizei und Feuerwehr, da eigene Löschversuche erfolglos waren. Während die Fahrgäste sich zu Fuß nach Denstorf begaben brannte der Bus trotz Einsatz der Feuerwehren Vechelde, Wahle und Denstorf vollständig aus.

24.01.2006 Friedrichshof/Neuwied: MVB (SZ-Betrieb) Gelenkbus auf Betriebshof ausgebrannt

Nach Zeitungsberichten brach das Feuer im hinteren Teil des Busses auf und griff schnell auf das gesamte Fahrzeug über. Als Ursache nannte der Wehrleiter einen technischen Defekt. Die MVB gehört zur SZ-Gruppe welche auch als Sub-Unternehmer für die RMV fährt. Ausgebrannte Busse gab es vor kurzem auch auf dem Betriebsgelände von Griesar, einem anderen Sub-Unternehmer der RMV (s.u. 15.12.05)

13.1.2006 Monzingen/Bad-Kreuznach: Schulbus brannte völlig aus

In Monzingen Rheinlandpfalz brannte am 13.1.2006 ein Schulbus völlig aus. In der Morgenstunde Auf der Fahrt von Seesbach nach Monzingen fing der Schulbus auf der Kreisstraße 17 gegen 7.40 Uhr Feuer. 26 Schulkinder kamen mit dem Schrecken davon. Der Wehrleiter Steinbrecher bestätigte der Allgemeine Zeitung, dass am Bus wohl ein Defekt aufgetreten sei, denn vor der Brandstelle zog der Bus mehrere hundert Meter eine Ölspur. Auch die Polizei vermutet eine defekte Treibstoffleitung als Brandursache.

2.01.06 Dattenberg: Linienbus ausgebrannt

Am Montag, 02.01.06, um 13.35 Uhr brannte in Dattenberg auf der K 10, zwischen Dattenberg und Linz, Ortsteil Roniger Hof, ein Linienbus, der für diesen Bereich zuständigen Verkehrsbetriebe. Die Fahrerin befand sich zum Zeitpunkt des Brandes allein im Fahrzeug. Zum Glück waren in dem sonst im Schülerverkehr eingesetzten Bus keine Kinder. Nachdem sie eine starke Rauchentwicklung im hinteren Bereich des Busses bemerkte, stellte sie das Fahrzeug am rechten Fahrbahnrand außerhalb der Bebauungslage Dattenberg ab. Sekunden später stand der gesamte Bus in Flammen. Brandursache ist vermutlich ein technischer Defekt im Motorbereich.

15.12.2005 Halsenbach/Hunsrück: Drei Busse auf Betriebsgelände ausgebrannt

Auf dem Außengelände eines ortsansässigen Busunternehmens geriet aus nicht bekannten Gründen zunächst ein Bus in Brand. Beim Eintreffen der Feuerwehr war dieser bereits ausgebrannt, der daneben stehende Bus war im Stadium des Vollbrandes und bei einem dritten Bus befand sich der Brand noch im Anfangsstadium. Der Unternehmer Griesar aus Ebernhahn macht als Sub-Unternehmer Schülerbeförderung für die RMV Koblenz. Dort protestiert eine Westerwälder Elterninitiative aus Hundsangen schon Jahre gegen die Zustände in der Schülerbeförderung nach Montabour. Im den letzen Monat spitzten sich die Beschwerden zu und RMV und Griesar gerieten erheblich unter Druck.

31.10.2005 Kaiserslautern, Bus geriet in Brand

Vermutlich wegen eines technischen Defekts hat es am Samstagmorgen in einem Bus gebrannt. Der Motor des Busses war auf der Mühlstraße / Ecke Lauterstraße in Brand geraten und musste von der Feuerwehr gelöscht werden. Menschen wurden nicht verletzt, da sich zu diesem Zeitpunkt außer dem Busfahrer niemand in dem Fahrzeug aufhielt. Allerdings entstand ein Sachschaden in Höhe von rund 15.000 Euro.

5.09.2005 Kaiserslautern A 62 / Glan-Münchweiler, Motor fing an zu brennen

Auf dem Weg zu seinem Einsatzort hat am Montagmorgen auf der Autobahn ein Bus angefangen zu brennen. Der Fahrer war in Richtung Kusel unterwegs, als ihn ein anderer Verkehrsteilnehmer darauf aufmerksam machte, dass Qualm aus dem Bus austrat. Der 74jährige Busfahrer steuerte den leeren Wagen auf den Parkplatz Potzberg und verständigte die Feuerwehr. Bis die Einsatzkräfte da waren und das Feuer gelöscht hatten, war an dem älteren Busmodell allerdings schon ein Schaden in Höhe von mehreren tausend Euro entstanden. Verletzt wurde niemand.

Die Liste ließe sich weiter fortsetzen.

Maßnahmenkatalog der DEKRA Unfallforschung:
  • Brandmeldesystem: Einbau einer automatischen Brandmeldeanlage in den Motorraum, optische Rauchmelder im Fahrgastraum, optisches und akustisches Warnsignal für den Fahrer, Branddetektoren auf Alarmanlage aufschalten.
  • Feuerlöscher: Kombination von Pulver- und Schaumlöschern, Anzahl von Typ und Größe des Busses abhängig, (keine Anrechnung von Löschanlagen).
  • Fahrzeugelektrik: Batterie mit Piktogramm kennzeichnen, Informationskarte für Rettungsdienste im Batteriekasten und beim Fahrer, Sicherheitsregeln für die Verlegung elektrischer Kabel erarbeiten.
  • Brandschutzprüfung: Prüfverfahren für den Brandschutz aktualisieren, Rauchgasentwicklung in die Prüfung mit aufnehmen und Grenzwerte schaffen.
  • Konstruktive Maßnahmen: Trennung heißer Bauteile, optimierte Verlegung von Betriebsstoffleitungen, Entstehung und Ausbreitung von Bränden und Gasen.
  • Fahrgastinformation: Informationen für die Fahrgäste zur Sicherheitsausstattung (Notausstiege, Feuerlöscher, Gurte, Rauchverbot) und zum richtigen Verhalten im Notfall.
  • Fahrerschulung: Umgang mit Feuerlöschern, vor Fahrtantritt Information der Fahrgäste über Sicherheitseinrichtungen.

    Sicherheitshinweise für Busfahrgäste / Verhalten im Notfall

  • Sich über Position und Funktion der Notausstiege informieren.
  • Über Position von Feuerlöschern und Verbandkasten informieren.
  • Hinweise zu Sicherheitsgurten beachten, Gurte anlegen.
  • Rauchverbote beachten.

    Quellen
  1. Linienbus brennt vollständig aus Wiesbadener Kurier - 30.1.2006
  2. Linienbus in Flammen HR Online mit Video - 30.1.2006
  3. Brennender Reisebus auf A5 - Motordefekt Osthessen News - 20. Jan. 2006
  4. Kabelbrand Ursache für Bus-Inferno? Rhein Main Presse - 14. Jan. 2006
  5. Bus brennt auf Schulfahrt völlig aus Rhein Main Presse - 12. Jan. 2006
  6. Motorbrand in LinienbusHeilbronner Stimme - 9. Jan. 2006
  7. DEKRA Studie im Auftrag der BASt zum Brandschutz in Reisebussen
  8. Schulbus brannte total aus - Verstoß wegen Überfüllung .........! Schulbus.Net
  9. Diskussion zu Brandursachen bei Bussen Schulbus.Net
  10. Etliche Brände im Newsletter - Februar 2004 Nr.1 Schulbus.Net
  11. Schikane gegen Schulbus.Net oder Brandschutz der Polizei Mayen? Schulbus.Net


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