Bürgermeister Saftig boykottiert Regionale Schule in Mayen
Bürgerbindung und Machterhalt auf Kosten der Kinder
Ein Bericht mit Kommentaren von Rolf Diederichs, 24.3.2006

PR für die RS-Nachtsheim.
Busse gesund beten. (Archiv).
v.l. W. Lutz, F. Retterath, A. Saftig, A. Berg-Winters (alle CDU)
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Die Rheinland-Pfälzische Landesregierung lehnte erneut die Umwandlung der Mayener Hauptschulen in eine Regionalen Schule ab. Dabei ignoriert oder nimmt die Politik einen Wahnsinn von Schülertourismus in kauf.
Die Begründung, wahrscheinlich die Einzige, stützt sich in einer Presseerklärung der Landesregierung auf Dr. A. Saftig, dem Bürgermeister der benachbarten Verbandsgemeinde Vordereifel und Träger der Regionalen Schule in Nachtsheim 20 KM vor Mayen. Saftig begründet seinen Widerstand mit einem möglichen Rückgang der Schülerzahlen an seiner Schule. Es wurde noch vor wenigen Jahren durch einen Anbau die Kapazität erhöht und wenn jetzt eine Abwanderung der Schüler nach Mayen stattfinden würde, dann hätten sich die Gelder nicht gelohnt.
Den Eltern Sand in die Augen streuen
Während Eltern über Arroganz der Politik noch fassungslos sind, rühmt sich Saftig schon wieder in einer Presseerklärung: "Die Entscheidung der Eltern, auch der 75 Eltern aus Mayen, ihre Kinder an der Regionalen Schule Nachtsheim anzumelden, beruht auf dem guten pädagogischen Konzept dieser Schule. Schüler wie Eltern nehmen die Regionale Schule Nachtsheim als ergänzendes, weil alternatives Schulangebot wahr."
Dabei ist wohl klar, dass auch eine Regionale Schule in Mayen, unter den Voraussetzungen einer "Regionalen Schule" , einen ebenso gute Ruf erringen würde, so wie die in Nachtsheim.
Es geht auch nicht nur um Mayener Eltern, denn mit den vor Mayen's Toren gelegenen Gemeinden, die zu Saftig gehören, steigt die Gesamtzahl der Schüler aus dem unmittelbaren Mayener Raum auf 150. Tagtäglich müssen sie einen wahnsinnigen Schülertourismus mit bis zu 3 Stunden Hin-Rückfahrt antreten. Dies beurteilte auch Kirchwald's Bürgermeister Erich Pung schon vor vielen Jahre als Unsinn. Leider konnte oder wollte auch er den Verbandsgemeindechef Saftig nicht von dessen sturen Haltung abbringen. Die Folge: Auch aus Kirchwald werden weiterhin ca. 20 Kinder nach Nachtsheim fahren müssen.
Wohltäter Saftig macht aus der Not eine Tugend
Der vermeintlich Wohltäter Saftig, aus der Not eine Tugend machend, verteilt sogar noch Wahlgeschenke in einer Presserklärung [2]: "Gute Nachricht für die Regionale Schule Nachtsheim.
Die RS-Nachtsheim freut sich über die Mitteilung der Rhein-Mosel-Verkehrsbetriebe (RMV), zur Verbesserung der Fahrwege und -zeiten die Busverbindungen von Mayen und den umliegenden Orten zur RS-Nachtsheim ab dem kommenden Schuljahr völlig neu zu gestalten. Dazu gehört auch die Einrichtung einer Direktverbindung von Ettringen nach Nachtsheim am Morgen. Dies bedeutet eine deutliche Verkürzung der morgendlichen Fahrzeiten."
Vorausgegangen war ein Bericht [1] der Schulbus.Net, in dem über morgens stehen gelassene Schüler wegen Überfüllung des Busses berichtet wurde.
Eine weitere dreiste Irreführung der Bürger war darin dann noch Saftig's folgende Behauptung:
"Bereits jetzt sind die Fahrzeiten nicht länger, als die der Kinder aus der Verbandsgemeinde, die das Gymnasium oder die Realschule in Mayen besuchen."
Schulkinder aus Kirchwald stehen schon um 6:30 an der Haltestelle in Richtung Nachtsheim, während die anderen Kinder erst um 7:00 ihre Fahrt nach Mayener Schule antreten.
Der Zeitunterschied sieht noch krasser bei den östlich von Mayen gelegenen Gemeinden aus, denn diese fahren durch Mayen durch, um zu noch weitere 20 km nach Nachtsheim zu fahren. Dies machen etliche Eltern nur notgedrungen schon jahrelang mit, da wohnortnah in Mayen das pädagogischen Konzept einer Regionalen Schule nicht zur Verfügung steht. Obwohl diese Schulform genau mit den Worten "wohnortnah lernen" wirbt.
Dieser Schülertourismus verursacht jedes Jahr 50.000 Euro Mehrkosten
Unstrittig ist, dass in einem Bauabschnitt ca. 500 000,- € investiert wurden [3]. Aber wie viel wird jetzt für die kostenlose Schülerbeförderung nach Nachtsheim jahrelang drauf gezahlt? Etwa 50.000 Euro Mehrkosten entstehen jedes Jahr durch diesen unnötigen Schülertourismus nach Nachtsheim.
Hinzu kommt noch, dass Eltern von Schülern einer regionalen Schule das Privileg haben keine Beiträge zur Schülerbeförderung zu zahlen. Während die Schüler Mayener weiterführenden Schulen etwa 30 Euro mtl. zahlen müssen. Den Anbau in Nachtsheim leer stehen zu lassen könnte über Jahre wirtschaftlicher sein. Aber ohnehin wollen Viele nicht dem Schreckgespenst folgen, welches Saftig hier malt, denn Schüler wird es für Nachtsheim noch weiterhin genug aus anderen Regionen geben. Endlich mal ein Schule mit gutem Raumangebot!
Politischer Machterhalt geht vor Elternwillen
Aber warum setzt sich Saftig für diese Geldverschwendung auf Kosten der Steuerzahler denn so ein?
Offensichtlich dies alles nur für seine politischen Interessen und seinem Machterhalt. So unterliegen die Eltern von Schülern "seiner" Schule ständig seiner Propaganda, seinem gönnerhaftes Getue auf Festen, Abschlussfeiern etc. Letztlich sind es dann seine Wählerstimmen bzw. seiner CDU. Nur darum gehts und nicht um das Wohl der Bürger.
Elternwillen mit Füßen treten, so kann man es auch beschreiben, so wie Saftig den Bürgern der eigenen Gemeinde die Knüppel zwischen die Beine wirft. Zu gut können Eltern ihr Lied über das Leid dieser Schülerbeförderung nach Nachtsheim singen, zu gerne würden Eltern ihren Kindern diese Tortur ersparen und hätten ihre Kinder zu einer Regionalen Schule nach Mayen geschickt. Wir wissen, dass der Bürgermeister die Gefahren unter den maroden Bedingungen (Busse u. Haltestellen) seit Jahren nicht wahr haben will. Eine Lehrerin und Mutter aus Langenfeld fällt ihre Entscheidung anders: "Zu gerne hätte ich mein Kind nach Nachtsheim geschickt, aber nicht mit den Risiken dieser Busreise und dann auch noch im Winter."
Nachtsheimer Schüler schrieben Lobgesang über ihre Schule in einem Leserbriefe an die Rheinzeitung. Dabei soll der Inhalt sogar von der Schulleitung zum Teil diktiert worden sein. Natürlich ist das Erscheinen solcher Briefe bei den Beziehungen zur RZ prompt garantiert. Das Politik ohne Medienmacht nicht funktioniert weis auch Saftig zu gut, sonst wäre er nicht da wo er heute ist. Schulsprecher Schäfer der RS-Nachtsheim plädierte in einem Leserbrief ebenso seine Schule. Was bliebt ihm anderes übrig? Mitgehangen mitgefangen! Seine Kinder gehen schon nach Nachtsheim. Obwohl aus Hausen stammend sie am ehesten von einer Regionalen Schule in Mayen profitiert hätten.
Aber warum Karl Leu (SPD Nachtsheim) ebenso einen Pro-Nachtsheim Leserbrief schrieb? Es ging doch nicht der Nachtsheimer Schule an den Kragen.
Eine verlogene politische Landschaft
Die Politik im Kreis Mayen-Koblenz macht ohnehin schon lange Zeit einen total verlogenen Eindruck, egal welche Partei. Keine Fraktionen dieser Verbandsgemeinde bringt Saftig zur Vernunft. Auch nicht die Bürgermeister von Kottenheim, Kehrig, Ettringen, Kirchwald. etc ob nun von CDU, SPD. Keiner setzt sich für ihre Bürger ein.
Keiner wagt ein Widerwort. Die ganze Schatten-Opposition ist nur eine Phrase. Will der Franktionsvorsitzender Herbert Keifenheim (SPD) aus Kehrig bequem im Windschatten von Saftig segeln? Besonders die Kehriger Schüler sind die Betroffenen. Mit seinem ständigen Schulterschluss und Worten "Saftig wäre parteiübergreifend beliebt". Für was diese Partei überhaupt noch wählen? Den Kuchen teilen sie sich einfach untereinander auf. "Streiten ist ein wesentlicher Baustein unserer Demokratie", waren einst die Worte unseres verstorbenen Bundespräsidenten Rau.
So sitzen auch die eigenen SPD Kinder, sowie die SPD Ehegatten im Elternbeirat, in der Realschule Mayen und dabei so sicher wie in Abrahams Schoß. Also für wen dann überhaupt noch einsetzen? Die eigenen Kinder könnten unter der Schulleiterin Christa Steinebach (SPD) leiden. Unsere "Volksvertreter" und deren Schicht brauchen die Regionale Schule ohnehin nicht, also am besten schön den Mund halten. Steinebach war auch eine derjenigen, die an der Absage aus Mainz mitwirkten. Rolf Schäfer (SPD) und Anne Spurzem MdL (SPD) tanzen einen Eiertanz zwischen Mainz und Mayen, immer dabei bedacht bei den Eltern im guten Licht zu stehen.
Unter schlechtem Bildunsgssystem bleibt sogar "Regionale Schule" ungenutzt
Mit Forderung einer verbindlichen Schullaufbahnempfehlung disqualifizierte sich die FDP zum Thema Bildung nun vollendens. Lebt hinter dem Mond und erkennt nicht warum Deutschland immer weiter abfällt. Wenn überhaupt, dann könnte die Partei nur für Gewerbe und Weinbau (Hans-Artur Bauckhage) in RLP ein paar Worte mitreden.
Die Grünen, treten leider in Mayen und Vordereifel erst gar nicht an, scheinen als einzige Partei vernünftige politsche Ziele zu haben. Auf ihrer Homepage ist zur Bildungspolitik zu lesen: Rheinland-Pfalz schnitt in einem Ländervergleich zur sozialen Gerechtigkeit beim Bildungszugang mit dem drittletzten Platz besonders schlecht ab. UN-Sonderberichterstatters Vernor Muñoz kritisierte insbesondere den deutschen Bildungsföderalismus und die Praxis des dreigliedrigen Schulsystems. Die Trennung in die verschiedenen Schullaufbahnen sollte später erfolgen, empfahl er unter anderem. Die Grünen: "Unsere Forderung nach längerem gemeinsamen Lernen erhält Rückenwind. Die mittelmäßig bis schlechten PISA-Ergebnisse zeigen: Das dreigliedrige Schulsystem in Rheinland-Pfalz ist überholt. Es hat keinen Sinn, in ein schlechtes System immer mehr Geld reinzupumpen."
Wir haben alle politischen Parteien, auch Dr. Alexander Saftig persönlich, im Vorfeld dieses Artikels um Stellungnahme gebeten, keiner hielt es jedoch für nötig eine Erklärung abzugeben. Auch Andrea Nahles (SPD) nicht, wo Sie doch häufig neben Beck in die Kamera grinst. Sicher sind Parteien nicht so wie Behörden verpflichtet der Presse Auskunft zu geben. Aber dürfen sie sich dann so Bügernah nennen?
Die Eltern geben nicht auf

Entscheidung revidieren?
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Für Mainz oder Mayen oder nur für sich selbst?
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Ministerpräsident Beck wurde diese Woche von Eltern in Mayen mit einer Demonstration empfangen. Es wurden ihm von Josef Runkel 1714 Unterschriften, welche innerhalb kürzester Zeit gesammelt wurden, übergeben. Die Bitte an Beck: die ablehnende Entscheidung des Landes nochmals zu überdenken.
Das politische Spiel um die Regionale Schule Mayen scheint nun beendet.
Verlierer sind zum jetzigem Zeitpunkt die Eltern und Kinder, von ihren eigenen Bürgermeistern verkauft und im Stich gelassen. Und nach der Wahl wird Wahlversprechen wohl keiner mehr nötig haben oder gar einzuhalten.
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