Home
Skandalöse Schlamperei: Mädchen vom Schulbus tödlich überrollt
Vertuschte der Staatsanwalt die Schuld der Kommune?


Rolf Diederichs, 29.12.2006


[+]
Spurensuche

[+]
Spurensuche

[+]
Die alte Haltestelle vor den Augen der Polizei

[+]
Trauerstelle und abgeschlossene Bauarbeiten nach dem Unfall. Die alten Steine sind noch sichtbar. (Foto Landesbetrieb)
In Wörth an der Donau passierte vor einem Jahr ein schrecklicher Unfall. Die 7-jährige Carina war an der hinteren Tür ausgestiegen. Als der Bus dann wieder anfuhr, wurde die Schülerin vom hinteren Reifen überrollt und tödlich verletzt (Schulbus.Net berichtete). Wir fanden nun heraus, dass skandalöse Zustände für den Unfall verantwortlich waren. Die Staatsanwaltschaft in Regensburg will dies allerdings nicht so sehen, sie gibt dem Mädchen die Schuld und weder Busfahrer noch Kommune werden zur Verantwortung gezogen.

Schon Jahrzehnte gab es in Wörth gegenüber der Polizeiwache eine Haltestelle (Bild) die im Straßengraben stand. Unter diesen Umständen war die Haltestelle jedoch nicht benutzbar, sodass Busfahrer die Schulkinder etwa 20 Meter vorher aussteigen ließen. Wie sich nun nach dem Unfall herausstellte, kann man diese inoffizielle Haltestelle nur als das kleinere Übel bezeichnet, was schließlich sogar zum Tod des Mädchen führte.

Die inoffizielle Haltestelle hatte alles andere als eine gute Befestigung, denn sie war schräg mit Rasengittersteinen ausgelegt in einem extrem holprigen Zustand. Eine jüngere Frau schilderte die Unfallstelle mit den Worten: "Ich gehe dort mit dem Hund immer spazieren, auf den Rasengittersteinen kann man praktisch nicht gehen, so holprig ist das dort." Es handelte sich bei dieser Fläche um den privaten Grundbesitz eines Anliegers. Es gab auch keinen Bordstein um die Ausstiegshöhe aus dem Bus zu reduzieren, im Gegenteil, es gab eine holprige Rinne aus Kopfsteinpflaster. Das alles veranlasste auch die Polizei zu der Annahme, dass als Unfallursache von einem Stolpern des Kindes ausgegangen werden kann.

Der Staatsanwalt kam zu dem gleichen Schluss wie die Polizei und sprach den Busfahrer jeglicher Schuld frei. Beruft sich dabei auf den Gutachter: "Für den Busfahrer war der Unfall nicht zu vermeiden gewesen". Hätte der Busfahrer andere belastet wenn man ihm die Schuld geben hätte?

Immerhin wurde die Haltestelle kurz nach dem Unfall in einen besseren Zustand gebracht (Bild). Was offensichtlich als ein stilles Eingeständnis zu verstehen ist.

Wir fragen uns, was unter diesen Umständen noch Anforderungen an maximale Stufenhöhen oder Spiegelpositionen einen Sinn machen, wenn auf der anderen Seite geschlampt werden darf wie auf Teufel komm raus.

Wir kennen ähnliche oder noch weit schlimmere Haltestellen im Raum Mayen. Nach dem Motto "aus Unfällen anderer lernen", fragten wir Bürgermeister und Parteien in der Region Mayen Koblenz "Was wird nun hier gemacht? Erst warten bis das nächste Kind getötet wurde?". Das Ergebnis war erschreckend, mehr darüber hier.


[+]
Mittelbayerische Zeitung. Wir bedanken uns an dieser Stelle für die freundliche Überlassung der Bilder.

  • Wie reagieren Verantwortliche in Mayen-Koblenz auf den tödlichen Unfall in Wörth? 29.12.2006
  • | Im Forum Diskutieren |