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Schulbus der Regionalen Schule Nachtsheim mit gefährlichen Mängeln im Innenbereich
Trotz Beruhigungsversuche von Politikern nahmen Eltern die Hinweise von Kindern ernst und gingen Mängeln nach

Von Rolf Diederichs, Kirchwald, 9 Juli 2003.

Probleme beim passiven Schutz

Ganz ohne Rückenlehne

Archivbild MYK-C-9796

Heute ohne Schulbusschild
Nachtsheim/Kirchwald 9. Juli 2003 13:30 - Vereinzelte Hinweise von Politikern (7.Juli berichtet), dass keines der Fahrzeuge der Regionalen Schule Nachtsheim am 2.Juli offensichtliche Mängel im Innenbereich aufweisen, nahmen Eltern zum Anlass die Kinder zu fragen ob dies denn so stimme - die Antwort kam prompt: "Kann nicht sein - z.B. seien Sitzbänke schon lange nicht in Ordnung". Wir gingen den Hinweisen am Mittwoch dem 9.Juli nach und fanden die Vorwürfe der Kinder zusammen mit weiteren Mängeln auf der Linie Kirchwald-Nachtsheim beim Bus der Fa. Welter MYK-W-1031 bestätigt. Wir werden diesmal wieder die tatsächlich gefundenen Mängel an die entsprechenden Stellen weiterleiten, mit so hoffentlich diesmal effektiveren Maßnahmen als eine vergeudete Pressecampagne von Politikern.

Kommentar: Wir wollten, haben auch in Zukunft nicht das Ziel, hier einen Wettbewerb mit den Verantwortlichen auszutragen. Jedoch lässt uns das Verhalten der Politiker zusammen mit unserer Motivation die Kinder zu schützen, keine andere Wahl als manchmal wirklich hinter den Bussen herzulaufen. An diesem Beispiel wird man sicherlich mal wieder versuchen sich rauszureden: "kann nicht sein, war gestern noch nicht, war letzte Woche noch nicht als die Politiker die Busse inspizierten". Jedoch die Angaben der Kinder und die Art der Mängel, lassen darauf schließen, dass innerhalb einer Woche wohl kaum ein Bus so altern kann. Haben denn die Politiker schlecht hingeschaut? Nein, wie wir schon richtig vermuteten sie wollten gar nicht, ihre Motivation war ganz auf eine Pressecampagne gerichtet um wahrscheinlich Schuld von sich zu weisen, weiterhin Geld zu sparen, und was sonst noch immer dahinter stecken mag. Unter dem Gesichtspunkt einer effektiven Sicherheitskontrolle würde man in der Schule sagen: "Thema verfehlt". Der Fall bestätigt auch unsere Sorge, dass Politiker sogar grob fahrlässig handeln, indem sie Eltern im Glauben wiegen wollen, in der Schülerbeförderung sei alles in Ordnung. Wir werden Schule/Schulsprecher und besonders den Schulträger informieren und hoffen nicht wieder die Antwort zu bekommen "wir sind doch nur Bitsteller beim Kreis".

Wir können aus dieser Stichprobe mal wieder Grundsätzliches lernen:
  • Scheinbare Bagatellmängel werden von vielen Leuten häufig nicht ernst genommen.
  • Wir können nicht erwarten, dass Kinder oder auch einige Eltern, Lehrer oder Politiker einen richtigen Blick für Mängel haben. D.h. wir müssen damit rechnen, dass ein Bus lange Zeit unbemerkt mit schwerwiegenden Mängeln fährt.
  • So genannte Bagatellmängel werden bei Unfallexperten als ernsthafte Gefahr angesehen. Ein großer Teil der Verletzungen im ÖPNV soll durch Bremsung, Ausweichmanöver etc., also ohne Kollision entstehen und können manchmal tragisch wirken.
  • So genannte Bagatellmängel schaukeln sich zu wirklich schwerwiegenden Mängeln hoch, d.h. die Grenzen verwischen immer mehr.
  • Schüler müssen zu ihrer eigenen Sicherheit lernen keine Schäden am Bus anzurichten.
  • Busbetriebe sollten entsprechend ihrer Pflicht auch entstehende Mängel/Schäden innerhalb der Prüfzyklen beseitigen.
  • Wir vertrauen nicht den Prüfstellen, dass Sie bei ihren guten Kunden, den Busbetrieben, ernsthaft die Abstellung von so genannten Bagatellmängeln oder die Einhaltung der Vorschriften des Anforderungskatalog für Schulbusse fordern. Wie soll die Prüfstelle wissen ob der Bus überwiegend Schüler fährt?
  • Mit dem Trick "ist doch eine Linie" will man die Vorschriften umgehen.
  • Wenn Zweifel bestehen sollte man jeden Mangel melden, auch wenn dieser einen manchmal noch so unwichtig erscheinen mag.
  • Wie viel Busse gibt es noch von dieser Art oder sogar schlimmer Art?
  • Die Polizei scheint Recht zu haben mit "wir hätten viel zu tun wenn wir jeden Vorfall melden würden".

BÜRGER und POLIZEI - wir brauchen uns
Rückseite der Visitenkarte eines Polizeihauptmeisters

Hauptsächlich fielen uns folgende Mängel auf:
    1. Lose Rückenlehne, morgens sogar komplett fehlend, mit hoher Verletzungsgefahr besonders bei Bremsung oder Unfall. (Bild)
    2. Abstehende Leiste (Bild).
    3. Kompletter Innenbereich hinkt weit hinter neuen Sicherheitsstandards her (Bild).
    4. Ungepolsterte Stahlrohre an den Sitzbänken (Bild).
    5. Ohne das alter des Busses exakt zu beziffern - offensichtlich ziemlich alt.
    6. Nothämmer bis auf einen alle vorhanden.
    7. Türhydraulik schließt manchmal nicht (lt. Schüler kommt der Fahrer dann nachhelfen).
    8. Schulbusschild fehlt - obwohl der Bus hier ausschließlich Schüler fährt (diesmal mit einem Elternteil).

Einige Mängel im Bild festgehalten

Sitzbank fehlt

Innenraum Übersicht

Sitzbank

Scharfkantige Leiste


Schriftverkehr zu diesem Thema:
Landrat Albert Berg-Winters und Bürgermeister Dr. Alexander Saftig nahmen Schulbusse am 2 Juli ins Visier
Polizeikontrolle "Der Schein trügt" am 3.7. berichtet
"Der Schein trügt" am 12.6. berichtet
Polizeikontrolle "Reifen" am 12.6. berichtet
An LSV: Mängelanzeige von Schulbussen/Schülerbeförderung

Auswahl von Links zu diesem Thema:
Mit dem Bus zur Schule
Siehe darin besonders den Anforderungskatalog für Kraftomnibusse und Kleinbusse, die zur Beförderung von Schülern und Kindergartenkindern besonders eingesetzt werden
Vom TÜV geprüft und trotzdem schwere Mängel
StVZO, BOKraft - Anforderungskatalog für Kraftomnibusse und Kleinbusse
Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) Stand: 18. Dezember 2002
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