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Elfjährige an Bushaltestelle vor dem Gymnasium tödlich verletzt
Anträge des Schulleiters im Sinne von mehr Verkehrssicherheit wurden von "Fachstellen" abgelehnt

Von Rolf Diederichs, 31.3.2004

Bis auf die Gemeinde hätten alle beteiligten Behörden "Polizei, Kreis, Bezirksregierungen und Landesbetrieb Straßenbau" die von der Schulleitung geforderten Maßnahmen abgelehnt. Auch der Verkehrsbetrieb war nicht bereit die nur wenige Meter entfernt liegende Schulgebäudehaltestelle anzufahren.

Das Arnold-Janssen-Gymnasium wird täglich von über 1100 Schülern und Schülerinnen besucht, welche überwiegend mit Schulbussen über die Schulgeländehaltestelle befördert werden. Ein Teil der Schüler benutzt jedoch die vom Linienbus bediente Haltestelle unmittelbar vor dem Schulgelände an der Emsdettener Landstraße, an der der tragische Unfall geschah. Im Bereich der Haltestellen sind 70 km/h zulässig. Schüler müssen dort dann ohne Querungshilfe und ohne Beleuchtung versuchen die Straße sicher zu überqueren. Anstatt mit Baumaßnahmen die Situation zu entschärfen hat man versucht mit Verkehrserziehung Unfälle zu verhindern. Die Pflicht zum Einschalten der Warnblinkanlage bestehe auch nicht, da es ein Linienbus sei, so der Polizeisprecher Potthof. Trotzdem kann dies die Straßenverkehrsbehörde (Kreis) auch im Linienverkehr anordnen, kostet nichts, sensibilisiert die Autofahrer, meint nicht nur der ACE.
Wie in Erfahrung gebracht wurde, benutzen viele Schüler auch bei Freistunden oder sonstigen Anlässen diese Haltestelle. Dies bestätigt eine ziemlich hohe Frequenz an dieser Haltestelle.

Das Kind wurde nach Polizeiangaben vom PKW erfasst, als es nahezu schon die gegenüberliegende Straßenseite erreicht hatte. Eine Sichtbeeinträchtigung des PKW Fahrers durch den Bus ist nach vorläufigen Ermittlungen daher kaum denkbar. Ob denn schon früher mal eine Ortstermin stattfand, konnte der Polizeisprecher nicht bestätigen, nach seinen Worten hätte die Polizei ohnehin keine Einflussmöglichkeit auf die Gestaltung der Schutzmaßnahmen im Bereich einer Haltestelle. Kurze Zeit später bestätigte die Kreis-Pressesprecherin Kirsten Weßling, dass auch die Polizei im Jahre 2002 bei dem Verkehrsgremium über diese Haltestelle mit Teilnehmer war. Leiter der Kreis-Straßenverkehrsbehörde Herr Löffels vermutet letztendlich den Verkehrsminister Ernst Schwanhold als "Schuldigen" für die Absagen der Sicherheitsmaßnahmen. Als Beleg dazu wird man uns die in 2002 zu dieser Haltestelle abgefasste Verwaltungsvorschrift des Verkehrsministeriums NRW morgen zuschicken.

Jetzt wird von Verantwortlicher Stelle nicht ausgeschlossen, dass nach dem tragischen Unfall ein Umdenken stattfindet. Die Elterninitiative "Sichere Schülerbeförderung" hält ein Umdenken nicht nur in Neuenkirchen sondern auch im gesamten Bundesgebiet für dringend erforderlich. Müssen solche Unfälle erst vor der Haustür passieren bis Eltern und Verantwortliche wach werden? Die Redaktion Schulbus.Net hilft gerne dabei, frei jeglicher Verletzungen, wenigstens virtuell die Unfälle vor die Haustür bzw. ins Wohnzimmer zu bringen. Auch der Schulleiter Dr. Heck meint jetzt gegenüber der Zeitung: "es muss ja erst immer etwas passieren". Schulbus.Net erwartet noch Auskünfte von anderen Stellen und wird über die Ergebnisse weiter berichten. (rd)



Die folgenden drei Artikel erschienen in Münstersche Zeitung vom 29.03.2004
Mit freundlicher Genehmigung zum Nachdruck von der online Ausgabe Westline

Lokalredaktion Neuenkirchen
Elfjährige stirbt vor AJG (Arnold-Janssen-Gymnasium)

St. Arnold - Eine elfjährige AJG-Schülerin aus Hauenhorst ist gestern gegen 7.40 Uhr auf dem Schulweg von einem Auto erfasst und tödlich verletzt worden.

Wie die Polizei mitteilte, hat die Fünftklässlerin auf der Emsdettener Straße den Bus an der Haltestelle verlassen, die sich gegenüber der Einfahrt zur Schule befindet. Zeugen haben gesehen, dass der Bus bereits abgefahren war, als das Mädchen die Fahrbahn überquerte, um zur Schule zu gelangen. Dabei wurde sie von einem VW-Golf erfasst, der von St. Arnold Richtung Emsdetten fuhr. Die junge Schülerin erlag noch an der Unfallstelle ihren Verletzungen. Die 29-jährige Neuenkirchenerin, die den Unfallwagen fuhr, erlitt einen Schock.

In dem Bus saßen noch die beiden älteren Geschwister der Elfjährigen, die auf dem Weg zur Snedwinkela-Realschule waren. Offiziell handelte es sich um einen Bus, der die Kinder zur Realschule befördert. "Die meisten Kinder steigen erst an der Josefschule zu", sagte Schulamtsleiter Norbert Wehning gestern. "Dass die getötete Schülerin häufig den Bus benutzte und schon am AJG ausstieg, war uns nicht bekannt."

Beinahe wäre es noch zu einem weiteren tragischen Unfall gekommen. Um das Kind schnell medizinisch zu versorgen, wurde der Rettungshubschrauber angefordert.

Beim Landeanflug auf ein nahe gelegenes Feld streifte der Pilot mit seinem Heckausleger eine 10 KV-Leitung. Er konnte aber trotz der Beschädigung am Heck sicher aufsetzen. Die Insassen blieben unverletzt. Der ADAC forderte sofort einen Ersatzhubschrauber an, der bereits am Mittag in Rheine eintraf.

Der Schulleiter des Arnold-Janssen-Gymnasiums, Dr. Johann Heck, war gestern Morgen tief betroffen. "Die Fünfer-Klasse ist jetzt mit Pater Bickel in der Kirche, um für die Schülerin zu beten. Wir werden auch noch mit der ganzen Schule einen Gedenkgottesdienst veranstalten." Ein kleines Jubiläum, das in dieser Woche an der Schule geplant war, werde ausfallen.

Noch im November haben alle Fünftklässler des AJG zusammen mit Polizist Heinz Thüring und zwei Busfahrern der Firma Husmann ein Sicherheitstraining an den Bushaltestellen absolviert.

"Der tragische Unfall zeigt, wie wichtig es ist, dass die Kinder aufmerksam die Straße überqueren. Sie sollen lieber riskieren, etwas zu spät zum Unterricht zu erscheinen und sich dafür beim Überqueren der Straße Zeit lassen", betonte Heck.spe

Fortsetzung: Elfjährige vor AJG tödlich verletzt

Neuenkirchen-St. Arnold. (jho) Ein 11-jähriges Mädchen aus Hauenhorst ist gestern morgen vor dem Arnold-Janssen-Gymnasium von einem Auto angefahren und tödlich verletzt worden. Die Schülerin der 5. Klasse war gegen 7.40 Uhr aus einem Linienbus gestiegen und wollte die Emsdettener Straße zur Schule hin überqueren. Dabei wurde sie von einem Auto erfasst, das Richtung Emsdetten fuhr. Das Mädchen war sofort tot. Die 29-jährige Fahrerin erlitt nach Polizeiangaben einen Schock.

Nach dem Unfall erneuerte Schulleiter Dr. Johann Heck vehement seine Forderung nach Tempo 50 auf der Emsdettener Straße in Höhe des Gymnasiums. Bitte nehmen Sie den Tod des 11-jährigen Mädchens zum Anlass, im Sinne von mehr Verkehrssicherheit unserer Schülerinnen und Schüler tätig zu werden, schrieb Dr. Heck kurz nach dem Unfall an Landrat Kubendorff.

Der Landrat reagierte sofort: So schnell wie möglich soll vor dem AJG Tempo 50 eingerichtet werden. Außerdem hat sich Kubendorff gestern mit dem zuständigen Landesbetrieb für Straßenbau in Verbindung gesetzt, um eine Ampel oder einen Zebrastreifen vor der AJG-Einfahrt einzurichten. Das bestätigte Kreis-Pressesprecherin Kirsten Weßling gestern auf Anfrage der MV. Wir können nicht schon heute dort ein Schild aufstellen, weil wir für diese Landesstraße nicht zuständig sind, sagte Weßling. Doch der Landrat sei tief betroffen und werde sich persönlich darum kümmern.

Seit Jahren fordern wir Tempo 50 vor unserer Schule und eine Fußgängerampel in Höhe der AJG-Einfahrt, was uns wiederholt abgelehnt wurde, sagte Dr. Heck der MV. Aber es muss ja erst immer etwas passieren.

Dr. Heck war unmittelbarer Zeuge des Unglücks und einer der Ersten an der Unfallstelle. Die 11-Jährige saß zusammen mit zwei Geschwistern, die zur Realschule gehen, in dem Bus. Dieser Bus hält immer extra für sie an der Emsdettener Straße, berichtete Dr. Heck. Daher fuhr er auch nicht auf den sicheren AJG-Parkplatz wie die anderen Busse. So ginge es vielen Schülern, die morgens die Straße überqueren müssten. Dr. Heck forderte daher auch, dass Linienbusse zum Absetzen der Schüler den AJG-Parkplatz befahren müssen.

An gleicher Stelle verstarb 1986 Pater Schmitt beim Überqueren der Straße. Wie die Gemeindeverwaltung gestern mitteilte, stellte das AJG 2001 den ersten Antrag auf Geschwindigkeitsbegrenzung und Überholverbot auf der Emsdettener Straße, was das Verkehrsministerium NRW Anfang 2002 jedoch ablehnte (Zum Thema).

Der vom ADAC eingesetzte Rettungshubschrauber aus Rheine, der gestern einen Notarzt zum Unglücksort brachte, kappte beim Landeanflug eine Stromleitung. Nach Auskunft der zuständigen Pressestelle des Kreises Steinfurt sei dabei kein größerer Schaden entstanden. Der Rettungshubschrauber konnte jedoch nicht weiterfliegen. Siehe Zum Thema unten auf der Seite

Fortsetzung: Schulleiter fordert Tempo 50

St. Arnold - Noch gestern Mittag schickte AJG-Schulleiter Dr. Johann Heck einen Brief an Landrat Thomas Kubendorff. Darin heißt es: "Ich bitte Sie, dafür Sorge zu tragen, dass auf der Emsdettener Straße in Höhe der AJG-Einfahrt die Geschwindigkeit von 70 auf 50 Stundenkilometer begrenzt wird und eine Fußgängerampel eingerichtet wird."

Bisher gescheitert

Bereits 1986 habe sich an gleicher Stelle ebenfalls beim Überqueren der Emsdettener Straße ein tödlicher Unfall ereignet, bei dem Pater Schmitt getötet wurde. "Bisher sind unsere Bemühungen für mehr Verkehrssicherheit gescheitert", erklärte Heck gegenüber unserer Zeitung. Mehrfach habe er Tempo 50 gefordert und auch die Betreiber der Linienbusse gebeten, den AJG-Bushalteplatz zu benutzen. Ohne Erfolg.

Wie uns Klaus Beckmann von der Verwaltung gestern erklärte, sei im November 2001 ein entsprechender Antrag des AJG auf den Weg gebracht worden.

Chronik

Auf Bitten unserer Zeitung stellte er die Chronik zusammen:

5. November 2001: AJG stellt Antrag auf Geschwindigkeitsbegrenzung an der Emsdettener Straße auf 50 Stundenkilometer und Überholverbot. Fünf Anwohner stützen den Antrag.

21. November 2001: Gemeinde schickt Anträge mit einer positiven Stellungnahme zur Straßenverkehrsbehörde in Steinfurt.

19. Februar 2002: Das Verkehrsministerium teilt mit, dass die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 km/h nicht angeordnet werden soll.

So heißt es: "Eine Geschwindigkeitsbeschränkung würde wegen der unauffälligen Schulwegunfallsituation wegen Akzeptanzproblemen der 50 km/h, wegen weitgehender fehlender Fußgängerquerungen und wegen des auf der Seite des Gymnasiums vorhandenen Rad-/Gehwegs eine unverhältnismäßige Maßnahme darstellen."

"Umdenken"

Andreas Roth, Sprecher des Landesbetriebs Straßenbau NRW in Münster, bestätigte diese Auffassung: "Bis auf die Gemeinde haben alle beteiligten Behörden " Polizei, Kreis, Bezirksregierungen und Landesbetrieb Straßenbau " die Temporeduzierung abgelehnt." Roth schließt nicht aus, dass nach dem tragischen Unfall ein Umdenken stattfindet. "Das ist nach meinen Erfahrungen wahrscheinlich", erklärte Roth. Bestimmte Verkehrssituationen seien nach einem Unfall häufig anders bewertet worden also vorher. spe

Der folgende Artikel erschien in Münsterländische Volkszeitung vom 30.03.2004
Mit freundlicher Genehmigung zum Nachdruck von der online Ausgabe Westline

Lokalredaktion Neuenkirchen
Große Anteilnahme nach Unfall

Neuenkirchen-St. Arnold. (jho) Groß war gestern die Anteilnahme am AJG nach dem tödlichen Unfall einer elfjährigen Schülerin am Montag (MV berichtete). Sehr viele Menschen haben uns kondoliert und Anteil genommen, sagte Schulleiter Dr. Johann Heck nach einem Gedenkgottesdienst für die Jahrgansstufe 5 gestern Morgen, an dem auch die Familie des getöteten Mädchens teilgenommen hatte. Wir suchen Ausdrücke der Solidarität, sagte Dr. Heck. Das war sehr ergreifend.

Viele Politiker und Vertreter der Polizei hätten sich gestern beim AJG gemeldet und ihre Unterstützung für mehr Verkehrssicherheit auf der Emsdettener Straße angeboten. So habe unter anderem Hannelore Brüning zugesagt, ihren Einfluss in Düsseldorf geltend zu machen. Auch ein hoher Vertreter der Kreispolizei, Vater zweier Kinder am AJG, wolle sich für Tempo 50, eine Ampel und sogar einen Starenkasten stark machen. Sehr gefreut hat uns die schnelle Reaktion von Landrat Kubendorff, sagte Dr. Heck. Kubendorff hatte schon am Montag seine Unterstützung für mehr Sicherheit vor dem AJG zugesagt.

Die Beerdigung findet am Freitag um 14.30 Uhr in Hauenhorst statt. Zuvor zelebriert das AJG einen Gedenkgottesdienst, an dem alle Schüler teilnehmen können.
Siehe auch:
  • §20 StVO: Überholen von Bussen und Straßenbahnen.
  • ADAC: Schritttempo auch im Gegenverkehr.
  • Anforderungskatalog für Haltestellen.